Über das Himmelfahrtwochenden wollte wir mal etwas neues ausprobieren. Einen Wandersegelflug von Meiersberg nach Kirn im Hunsrück.
Der Plan war, dass wir am Mittwoch (01.06.2011) hinfliegen und Sonntag (05.06.2011) zurück. In Kirn sollte der Duo einfach draußen stehen bleiben. Da von unserem Verein über das Wochenende noch einige Leute nach Kirn gefahren sind, brauchten wir nicht unser komplettes Gepäck im Duo Discus unterbringen, sondern konnten es einem Vereinskollegen im Auto mitgeben.
Nachdem wir alles organisiert hatte und das Wetter für das ganze Wochenende sehr gut aussah standen wir Mittwoch um 12 Uhr am Start und warteten auf unseren F-Schlepper.
Für die Route nach Kirn gab es zwei Möglichkeiten. Man kann über die Eifel fliegen (ca. 230km) oder über das Sauerland (ca. 240km). Da die Vorhersage für den Mittwoch sehr gut aussah, entschieden wir uns über das Sauerland, Siegerland, vorbei an Koblenz und dann über den Soonwald nach Kirn zu fliegen.

Leider klingt das einfacher als es fliegerisch war.
Wir starteten um 12.30 un klingten in 700m MSL aus. Am Anfangen taten wir uns etwas schwer vernünftiges Steigen zu finden, konnte aber nach ein paar Suchkreisen auf knapp 1400m MSL steigen. Das war vorerst die Basishöhe.

Der weitere Flug bis Bergneustadt gestaltete sich relativ schwierig. Wir hielten uns die ganze Zeit in einem Höhenband zwischen 500m AGL und 900m AGL auf und flogen Richtung Osten. Bei Bergneustadt war schon die erste große Hürde für diesen Tag zu erkennen. Das schlechte Wetter, was am Tag zuvor bei uns drüber gezogen ist, stand noch hier. 8/8 Altocomulusbewölkung. Wir entschieden trotzdem, dass wir noch Richtung Süden auf Kurs fliegen um zu schauen, ob es dann keine Möglichkeit gibt an der Front vorbei zu fliegen. Über Funk fragte ich im Siegerland nach dem Wetter und mir wurde bestätigt, dass über dem Siegerland schon die Abschirmung stand. Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns dafür nicht in das schlechte Wetter abzugleiten und zu Hoffe, dass es dort auch noch Thermik gibt, sondern wir entschieden uns nochmal nach Norden in das Sauerland zu fliegen, um hier noch ein bisschen Zeit zu gewinnen und zu hoffen, dass die Front weiter nach Süden zieht.
Der Plan ging auch so halb auf. Bei Schmallenberg haben wir gewendet und sind wieder zurück auf Kurs geflogen. Diesmal haben wir es bis Koblenz geschafft. Hier stand die Front noch und verhinderte den Weiterflug. Uns fehlten noch ca. 500m um sicher nach Kirn zu kommen.
Leider schafften wir es nicht mehr uns die Höhe zu hohlen und wir entschieden uns, nach Singhofen zu unter die Front zu gleiten und im Notfall dort zu landen. Der “Notfall” traf ein. Es gab auf dem ganzen Weg nach Singhofen keine Thermik mehr. In Singhofen angekommen, fanden wir nochmal schwaches Steigen direkt über dem Flugplatz und kreisten dort ein bisschen, um uns den Flugplatz in Ruhe anzugucken. Nach wenigen Minuten war uns beiden klar, dass wird schwierig dort wieder weg zu kommen. Der Platz sah ziemlich unbelebt aus.
Ca. 10km weiter südlich war allerdings noch ein Flugplatz. Nastätten. Uns fehlten noch 200m um sicher nach Nastätten zu kommen. Zum Glück schafften wir es und konnten den Flugplatz nun auch sehen.
Wir flogen also ab und landeten kurze Zeit später in Nastätten und rollten direkt vor die Halle.
Nach kurzem Spaziergang über den Flugplatz stellten wir fest, dass auch hier niemand war. Ich suchte dann nach der Telefonnummer des Vorsitzenden des AC Nastätten und rief ihn an. Er war sehr freundlich und kam trotz einer Familienfeier direkt zum Flugplatz, um uns zu empfangen.
Kurz bevor er am Flugplatz ankam, kam noch ein anderes Vereinsmitglied und begrüßte uns sehr herzlich und machte uns die Halle auf. Wir staunten nicht schlecht als wir die Halle sahen. Der Duo konnte komplett aufgerüstet dort reingeschoben werden und dort über Nacht stehen. Danach kam auch der Vorsitzende und bot uns sein Zimmer für die Nacht an.

Dank der Gastfreundschaft der Flieger aus Nastätten konnten wir die Nacht gut und warm in einem Bett verbringen und mussten nicht wie befürchtet mit dem Schlafsack unter der Fläche schlafen.
Um nach Kirn zu kommen fehlten uns nun noch 54km. Der Tag brachte mit 40 – 50km/h Wind keine leichte Aufgabe. Erschwerend dazu kam noch, dass auf der Gesamten Strecke wenig bis gar keine Landemöglichkeiten sind.
Wir versuchten zuerst einen Windenstart und fanden Querab der Startfläche auch einen sehr ruppigen Aufwind. Leider waren die ganzen Aufwinde sehr kurzlebig und böig, sodass man nur sehr schwer Höhe gewinnen konnte. Nach 1h basteln in einem Höhenband von 300 – 600m über Nastätten landeten wir wieder (leider abgesoffen) und entschieden uns, dass wir uns nach Kirn schleppen lassen.
Da die Dimona noch einen Rundflug machen musste saßen wir gemütlich am Start unter der Fläche und warteten auf den Schlepper. Nach kurzer Zeit kam der Lepo auf uns zu. Wir dachten, dass jetzt doch etwas am Zeitplan geändert wurde und wir nun doch jetzt geschleppt würden.
Der Lepofahrer begrüßte uns lächelnd und hielt uns zwei Stücke Kuchen hin. “Um die Wartezeit zu verkürzen”. Wir kamen aus dem Stauenen gar nicht mehr raus. So viel Gastfreundschaft hatten wir nicht erwartet. So wie es aussah haben wir hier genau den richtigen Flugplatz für Wandersegelflug getroffen.
Nachdem wir nun das Stück Kuchen aufgegessen hatten, kam die Dimona vom F-Schlepp wieder und wir machten uns Start klar. Wir liesen uns bis ca. 25km vor Kirn schleppen und klingten aus. Direkt nach dem Ausklinken gab es dann auch noch leichte Thermik und wir konnten den Flug noch ein bisschen strecken und sind dann sicher in Kirn gelandet.

Die nächsten Tage gestalteten sich fliegerisch leider ähnlich. Um die 50km/h Crosswind und mäßige Thermik. Wer den Flugplatz in Kirn kennt, der weiß, dass man bei dem Wind mit einem Duo Discus in Kirn nur sehr schwer starten und landen kann. Wir entschlossen uns also aus Sicherheitsgründen nicht zu fliegen und die nächsten Tage abzuwarten und zu hoffen, dass sich das Wetter bessert.

Am Samstag sah es allerdings immernoch alles andere als gut aus und wir mussten uns um einen Plan B kümmern. Zum Glück hatte Turbo Zeit uns mit dem Hänger abzuholen. Er kam Samstagabend nach Kirn und wir fuhren am Sonntagvormittag wieder zurück nach Meiersberg.

Auch wenn das Wochenende fliegerisch nicht optimal gelaufen ist, haben wir dennoch sehr viel dazu gelernt und sehr nette Leute kennen gelernt.
Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an den AC Nastätten!
Für den nächsten Wandersegelflug können wir diese Erfahrung sicherlich nutzen, um das Ganze noch optimaler zu gestalten.